KVHS Groß Gerau
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24.09.2018: Ein hessenweit einmaliges Modell der Zusammenarbeit: Kinderbetreuung parallel zum Integrationskurs


Die sechs Kleinkinder unter drei Jahren werden sich gewundert haben, warum letzten Mittwoch so  viele Erwachsene zwischen den beiden Betreuern herumsprangen und einen neugierigen Blick in die Räumlichkeiten unter dem Dach des Bildungszentrums Schützenstraße der Kreisvolkshochschule in Groß-Gerau warfen. Sie konnten sicher noch nicht begreifen, welch komplexer Überlegungen es bedurfte, um ihre Betreuung sicherzustellen und  ihren Eltern, meist Frauen, den Besuch eines Integrationskurses an der Kreisvolkshochschule Groß-Gerau zu ermöglichen.

Seit Mai 2018 wird die Kinderbetreuung an der KVHS Groß-Gerau in Zusammenarbeit mit dem Kreis Groß-Gerau (Fachdienst Kinderbetreuung)  und dem Diakonischen Werk Groß-Gerau-Rüsselsheim umgesetzt. Sie überbrückt eine Versorgungslücke  der normalerweise durch die einzelnen Kommunen geleistete n Kinderbetreuung. „Dem Kreis Groß-Gerau ist es wichtig, die Lücke zu schließen, die entsteht, wenn gerade kein Betreuungsplatz in einer öffentlichen Kindertagesstätte frei ist, die  Eltern aber Deutsch lernen und einen Integrationskurs besuchen wollen. Wir freuen uns, dass hier an der Kreisvolks­hochschule ein Pilotprojekt gestartet ist, das gemeinsam mit dem Diakonischen Werk auf bewährten  Standards aufbaut und hessenweit ein Signal setzt“, so beschreibt es Walter Astheimer, Erster Kreisbeigeordneter des Kreises, bei einem Pressetermin in den Räumen des KVHS-Bildungszentrums Schützenstraße in Groß-Gerau. Über ein Jahr haben die drei beteiligten Stellen daran gearbeitet, um ein passendes Modell zu entwickeln.

Auch KVHS-Leiter Heinrich Krobbach machte deutlich, dass das, was auf den ersten Blick selbstverständlich klinge, sich in der Praxis als eine komplexe Puzzlearbeit erweise. Er lobte die engagierte Zusammenarbeit der drei Stellen, fand aber zugleich kritische Worte darüber, dass es solcher Konstrukte bedürfe, um das finanzielle Risiko aufzufangen. Zwar finanziere das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (BAMF) die Kinderbetreuung nach Stundenaufwand, komme aber nicht für die Fälle auf, in denen Mutter oder Kind von der Betreuung abspringen, wegen Krankheit, weil sie doch noch einen kommunalen Platz oder eine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden haben oder wegen anderer Gründe: „Die Träger bleiben dann auf ihren Kosten sitzen.“

Der Leiter des Regionalen Diakonischen Werkes Groß-Gerau- Rüsselsheim, Lucien Lazar, begrüßt die finanzielle Überbrückung des Kreises und die Zusammenarbeit mit der KVHS: „Viele Zahnräder greifen hier ineinander, bis von der Platzvergabe über die sorgsame Eingewöhnung der Kinder hin zum geeigneten Kurs für die Eltern alles passt.“ Die Betreuung erfolgt durch eine Fachkraft des Diakonischen Werks, pädagogisch begleitet durch Claudia Kubrich, die wiederum von Dagmar Richter, Fachdienstleiterin des Fachbereichs Jugend und Familie (Kindertagesbetreuung) des Kreises Groß-Gerau, bei der Auswahl und Schulung des pädagogischen Personals in unterstützt wird.  Dass es um weit mehr geht, als Neuzu­gewanderten im Integrationskurs die Sprache und Kultur unseres Landes näherzubringen und die Kinder zu betreuen, fasst Walter Astheimer so zusammen: „Neuzuwandernde gewinnen durch diese gute Zusammenarbeit des Kreises mit den Trägern Einblicke in ein System, das trotz der komplizierten Sachlage funktioniert, das zuverlässig ist und die Familie ein gutes Stück weit in Deutschland oder sogar im Falle einer Rückkehr  in ihrem Heimatland begleiten wird.“

Aktuell erfolgt die Kinderbetreuung bei der KVHS Groß-Gerau parallel zu einem Frauen­Integrationskurs und einem Kurs für Zweitschriftlerner/innen: Das sind Menschen, die in einer fremden Schrift lesen und schreiben können, aber nicht mit dem lateinischen Alphabet vertraut sind. Der Fachbereich Sprachen und Grundbildung an der KVHS Groß-Gerau organisiert die Belegung und vergibt bei der Sprachberatung, in der auch die Einteilung in den passenden Kurs stattfindet, den Betreuungsplatz bzw. führt eine Warteliste.  Fachbereichsleiterin Silvia Parra Belmonte resümiert: „Eltern können hier nicht nur auf eine verlässliche Kinderbetreuung zurückgreifen und ihr Wissen erweitern, sondern sie gewinnen Vertrauen: in dem Sinne, dass sie und ihre Kinder hier angenommen werden,  mit ihren individuellen Bedürfnissen, als Person.“

Die Kreisvolkshochschule ist Anlaufstelle für die Eltern, die einen Sprach- bzw. Integrationskurs besuchen wollen. Interessierte wenden sich bitte an das KVHS-Servicebüro, Hauptstraße 1, 64521 Groß-Gerau, Telefon: 06152 – 1870-0, und können sich direkt mit dem Fachbereich Sprachen und Grundbildung  in Verbindung setzen.


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