Kreisvolkshochschule Groß-Gerau & Volkshochschule Rüsselsheim

Programm 2026/2027

Werkstatt-Gespräche zur Gedenk-Kultur
Die Werkstatt-Gespräche zur Gedenk-Kultur in Zusammenarbeit mit der KVHS Groß-Gerau, Arbeit und Leben Südhessen und dem Netzwerk der Stolperstein-Initiativen werden fortgesetzt.
Es geht weiterhin um ein Gedenken, um ein permanentes Engagement gegen das Vergessen. Es geht um jüdische Bürgerinnen und Bürger, die jahrhundertelang in der Rhein-Main-Region lebten und in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, zur Flucht getrieben und ermordet wurden. Es geht um andere Opfergruppen wie beispielsweise politisch, rassistisch oder religiös Verfolgte, Opfer von Zwangsarbeit sowie Euthanasie; auch die sollen nicht in Vergessenheit geraten.

Und es geht zudem um das davor und danach, um ein Gedenken an die Geschichte der Kolonialzeit und um die Versäumnisse in der Nachkriegszeit. Aber was ist, wenn alle Stolpersteine verlegt sind, alle Gedenksteine stehen und alle Gedenktafeln angebracht sind? Was machen die Initiativen, um Erinnerung und Gedenken wach zu halten? Was sind Ihre Erkenntnisse aus der zumeist ehrenamtlichen Aufarbeitung von Geschichte vor Ort?

Die Leitung der Werkstatt-Gespräche zur Gedenk-Kultur hat Professor Dr. Wolfgang Schneider, Kulturwissenschaftler aus Bischofsheim.

Eine Abschlusstagung zur gemeinsamen Reflexion der Werkstatt-Gespräche ist für 2027 in Kooperation mit der Stiftung Alte Synagoge in Rüsselsheim geplant. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit der VHS Rüsselheim/123 Kultur und dem Kreis Groß-Gerau.

Mittwoch, 16. September 2026, 17.00 – 20.00 Uhr
Gedenken vor Ort und im Museum
Groß-Gerau

17:00 Uhr Führung auf dem jüdischen Friedhof
Mit dem Vorsitzenden des Fördervereins „Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V.“, Pfarrer i.R. Walter Ullrich
18:30 Uhr Besuch im Stadtmuseum
Kursnummer KVHS: 62GG10800
Im Anschluss an eine Führung zur jüdischen Geschichte in der Dauerausstellung Gespräch mit dem langjährigen Leiter des Stadtmuseums Jürgen Volkmann und dem Heimatforscher Hans-Georg Vorndran.


Donnerstag, 28. Oktober 2026, 19:30 Uhr
Alte Synagoge Rüsselsheim

„Shalom zusammen“ – Autorinnenlesung mit Tanya Raab
Kursnummer VHS Rüsselsheim: Q10451

Jüdisches Leben abseits von Klischees: Aktivistin Tanya Raab räumt mit Vorurteilen auf!
„Du siehst ja gar nicht jüdisch aus“ ist ein Satz, den Tanya beim Dating schon oft gehört hat.
Seitdem sie auf dem Pausenhof mitbekam, wie ein Mitschüler mit „Du Jude“ beschimpft wurde, beschäftigen sie viele Fragen:

Die Lesung ist gebührenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte unter: info@alte-synagoge-ruesselsheim.de


Freitag, 6. November 2026, 14.00 – 19.00 Uhr

Gedenken. Bilden. Forschen.
Auf den Spuren der Opfer von Euthanasie
Exkursion zur Gedenkstätte in Hadamar

Kursnummer KVHS: 62MS10110

Die Gedenkstätte Hadamar erinnert an die Verfolgten der nationalsozialistischen „Euthanasie“. Fast 15.000 Menschen wurden von 1941 bis 1945 in der damaligen Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Hierzu gehörten psychisch Erkrankte und Menschen mit Behinderung, es waren Alte und Junge, Männer, Frauen und Kinder. Diese Menschen stammten aus weiten Teilen Deutschlands sowie aus vielen Ländern Europas, und auch aus dem Kreis Groß-Gerau.

Einem Rundgang durch die Gedenkstätte folgt eine Workshop-Phase, in der sich die Teilnehmenden mit den Biografien von und Recherchen zu Verfolgten der NS-„Euthanasie“ austauschen können.
Eine verbindliche Anmeldung ist über www.kvhsgg.de erforderlich.


Montag, 16. November 2026, 18.00 – 20.00 Uhr
Museum in Bischofsheim, Darmstädter Str. 2

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus
Forschungen für das Gedenken

Kursnummer KVHS: 62MS10111

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs arbeiteten über 13 Millionen zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hielten landwirtschaftliche Versorgung und Rüstungsproduktion aufrecht. Mit einer Gedenkstätte, die im Jahr 2020 auf dem Platz „Am Rosengarten“ hinter der Evangelischen Kirche auf Grundlage von Forschungen von Christine Hartwig-Thürmer in Gustavsburg errichtet wurde, erinnert die Stadt Ginsheim-Gustavsburg an das Lebensschicksal der Menschen, die aus ihren Heimatorten in Frankreich, Belgien, Polen, Russland, der Ukraine, den Niederlanden, Italien, Weißrussland, Litauen u.a. zwischen 1940 und 1945 nach Deutschland verschleppt und gezwungen wurden, bei der MAN, der Schiffswerft, der VDM und in der Landwirtschaft zu arbeiten und unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur zu leben.

Auch der Arbeitskreis Stolpersteine Bischofsheim recherchiert derzeit zu den Opfern von Zwangsarbeit bei der Deutschen Reichsbahn und bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim.
Einblicke in die Forschungen gewähren die Historikerin Christine Hartwig-Thürmer und der Student der Geschichtswissenschaft an der Johannes -Gutenberg-Universität Mainz, Johannes Gärtner


Anfang 2027. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gemacht

Gedenken neu denken
Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss


Lesung aus dem Buch der Grimme-Online-Award-Preisträgerin @keine.erinnerungskultur, Susanne Siegert.

Erinnerungskultur muss sich verändern. Wie und warum, legt Susanne Siegert in diesem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer „einstudierten“ gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen.

Eine Veranstaltung der Buchhandlung Kapitel 34 in Rüsselsheim, Marktstr. 32-34, in Kooperation mit der Stiftung Alte Synagoge und dem Arbeitskreis Stolpersteine Bischofsheim


Sonntag 24.01.2027, 15 – 17 Uhr
Horváth-Zentrum, Familie-Jürges-Weg 1, 64546 Mörfelden-Walldorf

Szenische Lesung: Márta Zoé Radnai – Die Geschichte einer jungen ungarischen Jüdin
Kursnummer VHS Rüsselsheim: Q10152

Márta Radnai (geb. 1925) liebte es zu lernen, Literatur war ihr wichtig, 1944 legte sie ihr Abitur ab, doch wenige Tage später musste sie ins Ghetto und wurde kurz darauf nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Von dort kam sie etwa drei Monate später in die KZ-Außenstelle Walldorf, um für modernste Düsenmaschinen der Luftwaffe Rollbahnen auf dem Flughafen zu bauen. Eindrucksvoll beschreibt sie die Verhältnisse in sechs verschiedenen KZs, die sie durchlitt – bis sie endlich, dann auf dem sog. Todesmarsch – im April 1944 fliehen konnte. Sie lebte nach der Befreiung in Brüssel und heiratete dort einen polnischen Juden, der jahrelang im belgischen bewaffneten Widerstand gekämpft hatte, aber schließlich auch mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert worden war.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit Frau Cornelia Rühlig aus dem Hovarth Zentrum in Mörfelden-Walldorf. Eine verbindliche Anmeldung ist unter der Telefonnummer 06142 832630, per E-Mail unter
service@kultur123ruesselsheim.de oder auf der Homepage der vhs Rüsselsheim erforderlich.


Samstag, 8. Mai 2027, 15 – 17 Uhr
Treffpunkt: Gedenkstein am Beginn des historischen Lehrpfades, Familie-Jürges-Weg 1, 64546 Mörfelden-Walldorf. Parken in der Nordendstraße

Kursnummer VHS Rüsselsheim: Q10153

Die ungarischen Frauen in der KZ-Außenstelle Walldorf – Führung

Am nördlichen Ortsrand von Mörfelden-Walldorf bestand von August bis Ende November 1944 eine KZ-Außenstelle, in der 1.700 junge ungarische Jüdinnen inhaftiert waren, um für den Frankfurter Flughafen, der damals unter militärischer Hoheit stand, erste betonierte Rollbahnen zu bauen. Die Arbeit war extrem schwer, die Kleidung völlig unzureichend, ebenso die Ernährung. Rund um das ehemalige Lagergelände wurde im Jahr 2000 ein historischer Lehrpfad angelegt, 2016 errichtete die Margit-Horváth-Stiftung über freigelegten ehemaligen Kellerräumen des Lagers das sog. Horváth-Zentrum. Beides ist Bestandteil der Führung.
Frau Rühlig recherchiert seit 30 Jahren zur Geschichte dieser KZ-Außenstelle; sie hat zahlreiche Interviews mit ehemaligen Inhaftierten des Lagers geführt und wird vieles davon in die Führung einfließen lassen.

Die Veranstaltung ist gebührenfrei. Eine verbindliche Anmeldung ist unter der Telefonnummer 06142 832630, per E-Mail unter
service@kultur123ruesselsheim.de oder auf der Homepage der vhs Rüsselsheim erforderlich.
Bei weitergehenden Fragen (z.B. Begehbarkeit, Rollstuhltauglichkeit) gibt es Auskunft durch die Horváth-Stiftung unter der Telefonnummer 06105/406 33 77.